25.09.2021

Von Andrea Drescher

Echte Solidarität ist möglich – auch in Zeiten der Corona-“Normalität”

 

Ein Beispiel, das Schule machen sollte

 

Solidarität in der Gesellschaft ist in Ordnung. Ob Raucherbein oder Fettleber, die Kranken in Deutschland oder Österreich werden nicht im Stich gelassen, die Kassen übernehmen sogar die Krankheitskosten von Junkies und Alkoholikern. Und das ist gut so. Wenn sich der Drachenflieger am Wochenende alle Knochen bricht, wird selbstverständlich der Verdienstausfall auch dann gezahlt, wenn sich der Reha-Prozess über Monate hinzieht. Ob es dieses Phänomen in Corona-Zeiten noch gibt weiß ich nicht, aber welcher Arbeitgeber hat sich früher nicht über Lohnfortzahlung im Krankheitsfall geärgert, wenn sich die Krankheitszahlen Montags – oft nach durchgefeierten Wochenenden – häuften? Aber auch da: die gesellschaftlichen Solidarität sorgt dafür, dass auch in diesen „Krankheitsfällen“ kein Verdienstausfall durchlitten werden muss.

Die neue Solidarität in der Corona-Normalität

In Corona-Zeiten hat sich da etwas verändert. Heute gilt es als Solidarität, wenn sich ein Ungeimpfter mit einem Impfstoff impfen lässt, um Geimpfte, die durch diesen Impfstoff nicht ausreichend geschützt sind, zu schützen. Eine Logik, deren Logik sich mir bis heute nicht erschließt. Aber ich bin ja nur eine Frau … was verstehe ich schon von Logik?

Aktuell wird diskutiert, dass z. B. im – zwangsweise angeordneten – Quarantäne-Fall den – auch gesunden – Ungeimpften die Lohnfortzahlung verweigert werden soll. Wie sagte Sven Böttcher bei B&B #12 “ich glaube nicht, dass wir eine Impfpflicht brauchen, da wir ja schon einen Impfzwang haben” . Offensichtlich sichtlich ist die gesellschaftliche Solidarität nicht erwünscht, wenn Regierungen ihre Pläne auf Biegen und Brechen durchsetzen wollen.

Eine erschreckend große Menge an Menschen scheint das nicht zu stören. Die Untertanen haben gelernt, nicht in Frage zu stellen, was von oben angeordnet wird. In Deutschland ist das nach meiner Erfahrung noch viel stärker ausgeprägt als in Österreich. In Österreich herrscht zwar auch kein größerer aktiver Widerstand, viele Menschen setzen die Maßnahmen aber bestenfalls halbseiden um. Man sieht anhand der Art und Weise wie manch einer die Maske aufsetzt, was der Träger davon hält.

Solidarität, die ich meine

Trotzdem gibt es noch das, was ich als richtige Solidarität kenne – selbst in dieser gespaltenen Gesellschaft. Gestern rief mich eine Freundin an. Sie arbeitet in einer sozialen Einrichtung im südlichen, deutschsprachigen Raum. Mich hat ihre Schilderung wirklich gefreut. Weniger erfreut hat es mich, dass sie nicht in der Lage ist, ihre Geschichte öffentlich selbst zu erzählen. Der Grund? Sie hat einfach Angst, dass die Einrichtung seitens der Behörden – von deren Gelder diese ja letztlich abhängig ist – Probleme bekommt, wenn die Geschichte bekannt wird. Sie will ihren Kollegen keine Schwierigkeiten machen. So weit ist es gekommen. Aber ich kenne und schätze sie, vertraue ihr, darum sorge ich mit dafür, dass mehr davon erfahren und sich vielleicht ein Beispiel nehmen.

In ihrer Einrichtung haben Geimpfte und Ungeimpfte – also wirklich gemeinsam – einen Fond gegründet, in die jeder einen Betrag zwischen 50 und 200 Euro eingezahlt hat. Der Fond hat das Ziel helfend einzugreifen, sollte es einen der ungeimpften Kollegen mal erwischen und aufgrund mangelnder Lohnfortzahlung im Quarantäne-Fall das Geld knapp ist.

Die Initiative ging von einem Ungeimpften aus, alle Ungeimpften haben den Vorschlag mit Begeisterung angenommen und auch viele der bereits Geimpften waren sehr schnell bereit mitzumachen.

Diese Menschen arbeiten in einem sozialen Beruf, wissen also noch was „sozial“ und „solidarisch“ bedeutet. Ein Beispiel das Schule machen sollte. Finde ich.

Wir können „nichts“ tun? Oh nein. Wir können. Wir müssen nur TUN!

 

Erschienen bei Frische Sicht

 

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