10.02.2026

 

In Bogota "alte Bekannte" treffen hat schon was ...
 
6.2. Die Fahrt nach Bogota

Manchmal frage ich mich, ob ich mir das wirklich antun muss. Um 7.30 mit dem Taxi zum Terminal – aber der Bus kam mit 1,5 Stunden Verspätung von Cali … statt 8.30 ging es erst kurz vor 10 los. In Bogota kam ich dann statt um 16 Uhr erst um 18 Uhr an. 18.30 wird es dunkel, aber dank Uber war der Weg zum Hostel problemlos.

Aber warum ich mir das antue? Weil man immer wieder tolle Erlebnisse hat. Und die hat man nun mal nicht im Flieger – zumindest selten :-)

Im Wartebereich habe ich eine junge Venezuelanerin kennengelernt – sie fuhr leider nicht nach Bogota – aber wir haben uns eine Stunde sehr gut unterhalten. Sie lobte mein Spanisch – ich spräche besser als ihr Ehemann, der seit 5 Jahren schon in Ameira lebt … Sie sagte aber selbst, dass man von US-Amerikanern nichts anders erwarten kann …

Die Busfahrt war spannend. Luftlinie sind es rd. 180Km lt. Google. Das Gelände führt aber dazu, dass man für die rd. 280Km zwischen 6 und 8 Stunden braucht. Bei uns waren es 8. Ohne Reisetablette nicht zu bewältigen. Die Bergstrassen sind … interessant. Meist zweispurig aber teilweise auch nur einspurig – was auf einer der Hauptverbindungsstrecken zu schier endlosen Staus führt, da die großen LKWs die kurvigen Strassen nur langsam raufkriechen.

Besonders faszinierend: direkt an diesen Strassen wohnen vereinzelt Menschen – immer wieder Stand ein Haus, ein Verkaufsstand, ein Restaurant – mitten im Nix. Und dann sieht man immer wieder kleine Häuser/Fincas irgendwo im Nirgendwo am Berg. Damit wir auch immer Kaffee und Bananen haben. Irre so leben zu müssen. Ja – ich wohne wirklich am Nabel der Welt.

In Bogota angekommen war ich dann wirklich im Zentrum des Wahnssinns. Die Zufahrt zum Busterminal war gesperrt, der Fahrer ließ uns also direkt an der Autopista Sur raus … Da habe ich – während ich auf den Uber wartete (das dauerte aufgrund des Verkehrschaos ziemlich lange), mich dann mit einem jungen Mädel unterhalten, bei deren Verkaufsstand ich mich hinsetzen durfte. Sie ist 20 Jahre jung und arbeitet von 6 Uhr morgens bis 10 Uhr abends … Ich war die erste Reisende aus Österreich, die ihr je begegnet ist. Sie musste unbedingt ein Photo machen und hat mir ihre Telefonnummer gegeben. Wenn ich nach Kolumbien zurückkomme, soll ich sie unbedingt anrufen … das sind die Erlebnisse.

Das ist mit Sicherheit die schlechteste Unterkunft, die ich bisher hatte. Nix um die Klamotten aus dem Rucksack zu holen – ausser 3 Nägeln in der Wand und einem 50cmx50cm Tisch. Die Matraze liegt auf Paletten … Aber immerhin kann ich mich in der Zelle umdrehen. Naja – für vier Nächte wird es gehen. Morgen früh um 7 geht es dann zum TCM-Doktor Tao. Uber ist schon bestellt.

Und dann werde ich weitersehen. Man liest sich.

7.2. Ich liebe Dr. Tao …

Auch wenn die Behandlung wieder besch..en schmerzhaft und ich hinter fix und fertig war: es geht mir wieder deutlich besser. Selbst mein angeschlagenes Knie lässt sich leichter drehen …

Sch… dass Bogota für einen Hausarzt „etwas“ weit ist.

Der Tag ging aber gut weiter: Libia – seine Assistentin – hat mir erst einen Kaffee gemacht – und dann noch ein Frühstück. Morgens um 7 gab es noch keine möglichkeit irgendwo zu frühstücken – und das Uber-Taxi kam pünktlich. Sie sah mir an, dass ich Kaffeebedarf habe … dann haben wir ein weilchen über meine Reise geredet – und dann meinte sie, ich soll in ihre Küche mitkommen und ich war 10 Minuten später aus dem Unterzucker raus. Es gibt wirklich so liebe Menschen hier!!!!!

Die beiden Fahrten mit dem Uber hätten unterschiedlicher nicht sein können. Der Fahrer am morgen war … geschwätzig wie ein Waschweib. Ich kenne jetzt auch sein Liebesleben, 2 mal verheiratet, 2 Kinder, wieder auf der Suche … aber nett nicht anzüglich. Auf der Rückfahrt sprach der Fahrer kein Wort mit mir, was aber wohl daran lag, dass er Sprachstörungen hatte.

Die Fahrten heute haben mir wieder deutlich gemacht, was für eine verweichlichte Europäerin ich bin, wenn ich mich über das 6qm Zimmer „aufrege“. Wer mit offenen Augen schaut, kommt nicht umhin, die Armut in diesem Land zu sehen. So viele schlafen auf der Strasse oder bestenfalls in Abrisshütten, leben von Autoscheiben an Ampeln putzen oder irgendwelche Kunststücken an Ampeln machen. Das Mädel gestern, dass von 6 bis 22 uhr arbeitet. Ja – ich bin auch noch zu verwöhnt (aber ich bin mir wenigstens wieder bewusst).

Jetzt bin ich im Hostel und erhole mich von der Behandlung. Nur noch wenige Tage, dann geht es heimwärts. Drückt mir die Daumen, dass ich vor der Gasmangellage heimkomme.

Kein aufregender Nachmittag – aber doch ein ganz besonderer

Was habe ich gemacht? Mit zwei jungen Frauen ihre frisch sterilisierten Katzen gestreichelt (die waren noch ziemlich besoffen von der Anästesie), Kaffee getrunken und u.a. über die Epstein Files diskutiert. Der Konsens bzgl. der Verbrechen: das können keine Menschen sein, die so etwas machen, das sind nur leere Hüllen … bestenfalls.

Die kleine Katze von Maggie erinnert mich so sehr an meine Basura (meine alte Katze). Ich habe sie Basurita genannt – wobei die beiden Mädels natürlich laut gelacht haben. Sie verstehen ja, was Basura bedeutet. Maggie hat mich dann bis zum Hostel begleitet – damit ich auch sicher ankomme. Ich hatte sie gebeten, mich den Berg runter zu begleiten, denn ich war ohne Stock und Knieschutz unterwegs – das erste Mal seit Wochen – aber sie bestand darauf. Und ich bekam wieder ein Armband geschenkt … es ist unfassbar. Wenigstens konnte ich ihr meinen Kaffee mitgeben, da es im Hostel keine Kaffee-Maschine gibt.

Im Hostel habe ich dann noch mit einer 30jährigen Franko/Spanierin Verschwörungstheorien ausgetauscht. Sie hat vor 4 Jahren ihren Job als Krankenschwester verloren, weil sie keinen Bock auf die Spritze hatte. Jetzt reist sie durch Südamerika und überlegt, wie sie in Zukunft weiterleben will. In ihrem Alter würde ICH nicht mehr nach Europa zurückkommen – ein Gedanke, der ihr nicht ganz fremd ist.

8.2. Bogota Guadalupe Hill

Heute war ich auf 3100 meter – mit dem Taxi, wie sonst? Guadalupe Hill ist am Sonntag einen Ausflug wert. In der Kirche der Virgen de Guadalupe werden alle 2 Stunden Messen gehalten. Viele Menschen fahren am Sonntag hoch. Gefühlt auch 1000d Fahrradfahrer (bikes, keine e-bikes) und 300 Jogger waren unterwegs. 500 Höhenmeter wurden bezwungen. Irre. Mir hat schon die Höhe gereicht – und die paar Meter, die ich gehen musste (ok es waren vielleicht 1000) um zum Aussichtspunkt und der Kirche zu kommen. Man muss früh hochfahren, als wir oben ankamen war der Parkplatz schon voll (8.45) aber der Uber-Fahrer konnte mich hochbringen, bis zum Eingangsbereich). Wer mit eigenen Auto fuhr, musste ziemlich weit laufen.

Die Aussicht hat die Fahrt wirklich gelohnt, ich habe einen Eindruck wie groß Bogota wirklich ist. Und auch die Messe war – selbst für mich – sehr berührend.

Nur die Rückkehr war aus zwei Gründen unerfreulich. Der Bus war ok – hielt aber an einer Stelle, wo ich mich nicht mehr wohl fühlte. Mein Instinkt sagte, such dir ein Taxi – und der Taxisfahrer bestätigte mir, dass mein Instinkt richtig war. Die Gegend war ungut. Und der Taxifahrer verlangte für ein viertel der Fahrzeit den gleichen Betrag wie das Uber-Taxi, das mich auf den Gipfel gebracht hat. Touristen werden halt geschröpft.

Den späten Vormittag und Mittag habe ich dann mit „Shoppen“ verbracht, am Ende eines Urlaubs, soll auch das Ende der gewechselten Geldes liegen, so dass 2 oder 3 Strassenverkäufer was los wurde. Zu mittag gab es Patacones con Calmares – eine Bananenspezialität mit Meeresfrüchten – und anschließend ging ich dann wieder Katzensitten :-) - mit Kaffee und Kuchen. Bei Juan musste ich dann noch einen Ring kaufen … habe schon ein schlechtes Gewissen, dass Maggie mich immer mit versorgt.

Was mir heute – wieder mal – auffiel: Warum gibt es überall in Kolumbien friedliche Listenhunde. Liegt das vielleicht daran, dass die Kolumbianer so viel freundlicher sind als wir?

Abends bin ich mit einem Chinesen, der seit 1986 in den USA lebt, aus meinem Hostel bei einem Mexikaner gelandet. Guatamole mit Chips – mehr brauchte ich nicht. War aber interessant – es war der erste Chinese mit dem ich mich lange und gut unterhalten konnte. Normalerweise habe ich wenig Zugang zu Asiaten. Spannend.

Morgen früh treffe ich Angelica – meine Bekannte aus dem Flugzeug – dann werde ich nachmittags packen und Abends gehe ich dann noch eine Runde mit Juan und Maggie spazieren. Als nichts touristisch aufregendes mehr – nur Menschen :-) - was ich bekanntermaßen ja viel aufregender finde. Und dann ist die Reise auch schon fast vorbei.

PS. Alle die mich trotz meines hinnigen Knies und der Mückenstiche-Massen immer noch beneiden: Hier in Bogota hat es gerade 10 Grad – und natürlich keine Heizung im Hostel. Tagsüber kriegt es – wenn ich Glück habe morgen 19 Grad. Aber immerhin hat es heute nicht geregnet … im Gegensatz zu den heftigen Schauern zwischendurch in den letzten Tagen … Und das in der warmen Trockenzeit, die aktuell herrschen sollte … grummel.

9.2 Der letzte Tag

Der letzte Tag heisst Abschied nehmen. Abschied von Angelica und Maggie & Juan.
Morgens um 7 bin ich mit dem Taxi zu Angelica gefahren. 1 Stunde 20 Minuten haben wir uns durch den Verkehr gestaut. Fast ganz im Norden, rd. 20Km vom Zentrum entfernt. Eine spannende Fahrt, die mir erneut bestätigt hat, dass „klein Andrea“ in der „großen Stadt“ nix verloren hat.

Locombia ... so bzeichnet man hier u.a. motorradfahrer. Ich nenne sie lebensmüde. In der Pandemie sollen viele ein Motorrad gekauft haben, weil sie Angst hatten öffentliche Transportmittel zu nehmen. Wenn ich sehe wie die hier fahren, denke ich jedes Mal Wahnsinn Punkt in bogotal sollen täglich tödliche Motorradunfälle stattfinden, im letzten Jahr sollen 400.000 neue Motorräder dazugekommen sein. Sagte zumindest der Taxifahrer heute morgen. Meine Nerven sind für diesen Verkehr nicht geeignet. Allein in den letzten zwei Tagen habe ich drei Unfälle beobachtet und einen beinahe Unfall heute morgen. Nein das ist mir zu heiß

Bei ihr gab es dann Cafe und Obstsalat mit Joghurt und einen anschließenden Spaziergang durch ihr Viertel, dass richtig lebendig aber sicher wirkt. Es gibt einerseits ganz sichere Wohnhäuser und ganz ganz viele kleine Läden, wo man alles bekommen kann.

Ich habe sie dann zu ihrem Artz-Termin begleitet – während ich auf sie wartete habe ich den teuersten Eiskaffee dieser Reise getrunken. 15.000 – dafür kann man ein ganzes Mittagessen bekommen. Wir sind mit dem Transmilenio gefahren, dem Schnellbus, der in der ganzen Stadt eine eigene Spur hat. So kommt man halbwegs von der Stelle. Anschließend haben wir den Transmilenio in die Innenstadt genommen, sind quer durch verschiedene Märkte spaziert und haben uns ein Luxus-Mittagessen gegönnt. Der Abschied fiel dann echt schwer.

Die letzten Einkäufe ließen sich auch nicht vermeiden – der Holzschnitzer hat mich erkannt – und ich musste ihm die geschnitzte Katze abkaufen.

Auch ein Block Panela musste sein, ein unraffinierter, karamellartiger Vollrohrzucker, der noch natürliche Mineralien und Vitamine enthält. Wie ich das alles in den Rucksack bekommen werde, erschließt sich mir noch nicht. Aber das steht morgen früh auf dem Plan.

Ich bin zurück ins Hostel, habe den Checkin online hinter mich gebracht, ein bißchen ausgeruht um mich dann mit Maggie & Juan zu treffen. Letzterer kam leider nicht – er musste auch die kranke Katze aufpassen – aber Maggie und ich haben noch mal lecker Kuchen gegessen, sie hat mir dann noch geholfen einen Laden zu finden, wo ich meinen Bordingpass ausdrucken konnte und mich ins Hostel begleitet. Es war ja schließlich schon dunkel. Auch dieser Abschied fiel schwer.

Aber so ist es. Leider.

Damit ist der vorletzte Bericht von der Reise fertig. Der letzte kommt dann nach meiner Rückkehr direkt aus Oberhubistan.






 
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