06.02.2026

 

Trotz "Knie" ging mehr als befürchtet - aber weniger als geplant. Aber was soll's. Jammern hilft auch nicht.
 
1.2. Heute war Schontag. Also wirklich. Naja – fast.

Es war mal wieder für 9 Uhr Regen angesagt (der dann um 16 Uhr kam) und ich beschloss, heute einen Schontag einzulegen. Ich wollte nur kurz in den Supermarkt, Brot holen.

Also bin ich um 8 raus, um den Regen zu vermeiden. Da merkte ich, dass auf der 4-spurigen Strasse vor meiner Unterkunft 2 Spuren gesperrt waren. Die Strasse war zur Ciclovia erklärt worden – auf ca. 5 km war der Bereich für Fussgänger, Jogger, Radler Kinderwägen, Roller ... freigegeben.

Das ist wie Autofreier Sonntag – nur immer jeden Sonntag - und nur in einer Fahrtrichtung. Man findet dort alle möglichen Menschen. Alte, junge, sportliche, unsportliche, Kinder, Jogger, Familien, einzelne Menschen – da gibt es auch Aerobik-Gruppen, Spiele Gruppen – und alles ganz offiziell organisiert. Von 8-12 Uhr.

Ich bin das ganze dann einmal rauf und runter – so ganz faul war ich also doch nicht und hatte mal wieder sehr nette Erlebnisse. Abgesehen davon, dass 99,9% der Menschen, die man anlächelt sehr freundlich zurücklächeln, gab es einige sehr interessante Gespräche. Eine Parkplatzwächterin erwähnte z.B. dass sie gemerkt habe – als sie mal ein paar Jahre in den USA gelebt habe, dass die menschen dort zu bequem seien zu arbeiten. Keinen würde die Arbeit am Wochenende interessieren, die würden sich selbst nichts erschaffen wollen, nur auf Kredit kaufen. Ihre Worte – nicht meine.

Dann bekam ich von einem Herren, den ich einfach anlächelte eine Guayaba (Guave) geschenkt. Er hatte drei Stück auf der Strasse gefunden – die wachsen dort wild – und fragte mich, ob ich eine möchte … und schon hatte ich eine.

An einem Stand kaufte ich mir frisches Obst – schon geschält und im Becher – und trank einen Kaffee dazu. Der Standler fragte, ob ich Salpicón de frutas kenne. Kannte ich nicht – das ist ein besonderer kolumbianischer Obstsalat. Klar wollte ich ein Löffelchen kosten als er fragte. Ich bekam ein ganzes Becherchen, durfte es aber nicht zahlen – denn das sei schließlich ein Geschenk.

Um 12.30 war ich dann wieder im Zimmer – und gammele seitdem faul am Bett rum. Ich musste heute wirklich mal mein Knie schonen, denn die ewigen Tabletten schlagen langsam sogar auf meinen (pferde/sau)magen … aber ohne ist das Bergauf/Bergab hier schon etwas schmerzhaft.

Morgen soll es dann auch noch ruhiger bleiben – ich möchte ins Gold-Museum und evt. In den botanischen Garten, der SEHR schön sein soll.

2.2. Das Goldmuseum fiel aus …

Heute war ein luxus-Tag. Ich habe richtig viel Geld ausgegeben.
Mit dem Taxi zum botanischen Garten 50.000
Eintritt 60.000
zwei Cappuchino 20.000
Trinkgeld 10.000
Bus retour 4000
Mittag-Luxus-Essen 24.000

Rund 170.000 – als rund 40 Euro …

Aber ausser diesen Zahlen gibt es noch ein paar Geschichten.

Ich habe mich vorab informiert, was die Fahrt mit Uber kosten würde. Das waren 44.400. Da aber vor dem Haus ein Taxi stand, fragte ich ihn nach dem Preis. Die erste Antwort fand ich überteuert – 60.000 – was er mir wohl direkt ansah und auf 50.000 runter ging. Dieser Zuschlag gegenüber Uber war für mich völlig ok, da die offiziellen Taxis ja auch noch an den Staat abführen müssen. Der Taxi-Fahrer war ein extrem netter Mensch, entwickelte sich im Zuge der rd. 30 Minuten zum Fremdenführer, fuhr extra für mich durch das Dorf, damit ich es kennenlernen könnte, statt direkt zum Jardin botanico zu fahren. Witzig: direkt gegenüber vom dortigen Friedhof befindet sich die lokale Disko-Szene – er meinte nur, die Toten könnten nachts dann feiern …

Die Info-Seite vom Park Https ://jardinbotanicoquindio. Org sagt, dass man um 8.30 öffnen würde. Ich war natürlich pünktlich. Nur der Park war zu. Nach und nach kamen die Angestellten und kurz vor neun konnte ich dann rein. Offizieller Preis 75.000, Personen über 60 zahlen 60.000. Ich wurde nicht gefragt. Seufz.

Um 9.15 Uhr ging es dann los.

Knapp 12 Euro – 60.000 – klingt als Eintritt erst mal hoch. Aber für 2,5 Stunden mit englischsprachigem Führer bzw. Führerin war das dann doch ok – zumal ich die einzige auf der Führung war. Und der Park war unbeschreiblich schön – unfassbar schön. Vögel, Pflanzen Schmetterlinge, Schildkröten. Alles irgendwie sehr gepflegt und doch gleichzeitig naturbelassen …

Hinzu kommen einige interessante Ausstellungen – auch zum Thema Autobahntunnelbau (die Kolumbianer scheinen lt meiner Führung ebenso effizient wie die Dresdener Brückenbauer, jetzt verhandelt man daher mit den Chinesen).

Ich habe eine Hängebrücke bewältigt – YEAH!!!! - und kann bestätigen, dass der Garten auch für leicht Gehbehinderte begehbar ist. Die Geduld meiner Begleiterin war wirklich toll, die 2,5 stündige Tour nahm fast 3,75 Stunden Zeit in Anspruch – daher lud ich sie zwischendurch zum (unverschämt teuren) cappuchino ein und gab noch ein Trinkgeld.

Unterwegs diskutierten wir in einer wilden Mischung aus Englisch und Spanisch die typischen touristischen Themen wie Klimawandel (was ganz normales, durch Umweltverschmutzung beschleunigt, aber kein CO2), Pharmabranche (gekaufte Studien) vs. Naturmedizin und Datenkraken (sie wird sich jetzt über Palantir informieren)

13 Uhr war ich fix und foxi und sie zeigte mir dann, wo ich den Bus zurück nach Armenia bekomme. Im Zentrum angekommen, war es noch rd. 45 Minuten bis zur Unterkunft, ich hatte Kohldampf und mir ein Luxus-Essen verdient. Fand ich. Und knapp 6 Euro für Suppe, leckeres Hauptgericht mit frischen Salat, einem Stückchen Kuchen und einem Saft sind zwar für hier „teuer“ aber ok. Immerhin war das Klo kostenlos :-) und mit Papier ausgestattet.

Um 15.30 war ich dann in der Unterkunft. Und nein. Kein Museum mehr, das wird verschoben. Auf wann auch immer. Jetzt heisst es wieder: Knie ausruhen. Eindrücke und Informationen hatte ich genug. 8 bis 15.30 – davon sicher 5,5 Stunden gegangen … reicht. So mit-ohne-Schmerzmittel hält zwar der Bauch wieder ruhe, aber … ich merks halt doch. Morgen ist auch noch ein Tag.

PS. Was für ein Glückskind ich bin, merke ich immer wieder. Heute erfuhr in von Stefan, dass Taganga seit 2 Tagen Dauerregen hat, Ana hat mir Videos geschickt. Echt heftig. Stromschwankungen, Internetstörungen … und ähnliche Freuden. Das bisschen Regen hier … ist was für Anfänger wie mich :-)
PPS. Aber auch meine Gartenführerin hat gemeint, dass das Wetter gerade verrückt spielt, viel zu feucht – ihrer Meinung nach. Und sie lebt seit 30 Jahren hier.

3.2 Salento & Goldmuseum

Heute früh fuhr ich zum Terminal – Ticket für die Fahrt nach Bogota am Freitag kaufen. Ich bin ein Luxusweib – ich habe statt 78.000, 93.000 ausgegeben – und mir eine Komfortsitz gegönnt. Bei einer 8-Stundenfahrt war der Preisunterschied von ca. 3,70 Euro akzeptabel :-) - 23 Euro für 8 Stunden Überlandbus …

Dann stieg ich gleich in den „regionalen“ Bus nach Salento ein. Es war eine heftige Fahrt, sobald wir die Schnellstrasse verlassen haben. Kurvig ist gar kein Ausdruck. Knapp 2 Euro für ca. 1,5 Stunden ...Das Dorf ist sehr nett – aber sehr touristisch. Da kann man wirklich nur unter der Woche hin. Die Häuser sind sehr liebevoll gestaltet – schade, dass die Sonne fehlte. Aber wenn ich die Bilder aus Taganga oder Santa Marta sehe, weiss ich, wie gut es mir geht!

Ich stand dann vor der Herausforderung von rd. 250 Treppenstufen – und nahm sie in an – und die Treppen zum Aussichtspunkt in Angriff. Oben angekommen, bekam ich von einem Schmuckhändler mal wieder ein Geschenk :-) - nach einem längeren Gespräch. Ich habe wirklich immer das Glück, Menschen zu treffen die sooooooo nett sind.

Das Wetter war nicht so dolle – aber der Aufstieg auf den Mirador war trotzdem lohnenswert. Den Abstieg wollte ich über einen anderen Mirador machen – nur war der am Anfang verdammt steil. Auch mit Stöcken. Ich traue dem Knie einfach nicht. Also fragte ich einen jungen Mann um Hilfe – und er half. Auch dort waren es schöne Bilder ins Umland, die die Quälerei wert waren. Ich kam immer wieder mit Menschen ins Reden – die Neugier und Aufgeschlossenheit fremden gegenüber ist schon auffällig.

Langsam meanderte ich wieder ins Dorf zurück, gönnte mir ein Mittagessen (günstig, selten in diesem Dorf) für 15.000 – Klo inklusive. Für öffentliche Klos wollten die schon 2.000 haben. Das ganze ist schon eine ziemliche Touristenfalle – wobei die menschen deutlich freundlicher sind als in unseren Touri-lagen.

Die für Salento typischen Ausflüge – mit dem Jeep ins Umland und dann wandern, habe ich mir untersagt … aus Gründen. Ist zwar schade, aber ich kann darüber jammern – oder mich freuen, was alles trotzdem möglich ist. Ich entscheide mich für letzteres. Daher zurück nach Armenia und den geplanten Museum-Besuch von gestern nachholen

Beim Weg zur Busstation kam der Bus schon an mir vorbei – ich winkte …
… und er hielt an und nahm mich gleich mit, was mir einen heftigen Abstieg ersparte. Glück gehabt.

In Armenia angekommen stieg ich gleich im Norden aus – das Terminal liegt ganz im Süden – und besuchte das Goldmuseum. Obwohl es KEINEN Pesos Eintritt kostet, wurde ich gleich von einer Dame en Details über das Museum informiert – über Baustil, Inhalte, Besonderheiten (die Hälfte habe ich ca. verstanden). Sie half mir auch 500 Pesos für das Gepäckfach zu wechseln … damit ich nicht mit Rucksack rumlaufen muss. Sowas von nett und freundlich. Hatte ich das schon erwähnt? :-)

Das Museum war – innen wie außen und inhaltlich – wirklich interessant. Ein „paar“ Bilder habe ich ja gemacht. Zurück zur Unterkunft wollte ich erst gehen – aber nach rund 1/3 der Strecke habe ich mir dann doch ein Taxi für 1,80 Euros gegönnt und ließ mich fahren. Bis vor die Haustür. Auch die (meisten) Taxifahrer sind wirklich nett hier.

Mal sehen, wohin es mich morgen treibt.

4.2 Buenavista

Mein Dorf in Österreich ist eine Stadt, mein Häuschen liegt fast im Zentrum des Dorfes und unsere Landschaft ist bretteben – zumindest im Vergleich zu der Lage der kleinen Kaffeeplantage ausserhalb von Buenavista, wo ich heute war. Aber von Anfang an.

Da ich heute früh wach war, nahm ich um kurz nach 7 ein Taxi zum Busterminal und von dort den Bus nach Buenavista. Die gut 1,25 tündige Fahrt war schon spannend. Mir wurde – mal wieder der Unterschied zwischen hier und Europa deutlich gemacht.

Irgendwo unterwegs hing der Ast einer Palme zu weit nach unten und streifte den Bus. Der Fahrer hielt an und verließ den Bus. Wir – vier – Fahrgäste wunderten uns ein wenig, aber dann sah ich aus dem Fenster, wie er mit einer Machete den Ast wegschnitt. Kann man sich das in Europa – D oder A - irgendwo vorstellen? Eigenverantwortliches Handeln ? Mir fehlt dazu die nötige Phantasie …

Angekommen in Buenavista, das oben am Berg liegt und tolle Aussicht bietet, dachte ich erst mal – was für ein Mist. Die Strasse, um zur Kaffee-Plantage zu kommen, war so steil, dass ich mich nicht runter wagte. Dabei wollte ich endlich mal eine ebensolche besuchen … sch…

Das ganze Dorf erschien mir zwar sehr sympatisch – bunt und gepflegt – aber ruhig und keine Touristenfallen – aber es war auch wieder VERDAMMT kniebelastend … sprich steil in jede Richtung. Grummel. War es eine Fehlentscheidung herzufahren?

Naja – dann gehe ich mal bergauf … Glück gehabt – es gab einen Weg am Berg entlang zum Ecohostel Cima – ca. 3km – asphaltiert – den versuche ich mal. Es wurde eine 3km lange „Bergwanderung“ mit ca. 200 Höhenmetern, die zu einem typischen Andrea-Erlebnis führte. Es war wirklich anstrengend – aber es hat sich gelohnt.

Ich landete nämlich beim Mirador San Roque und lernte die 70 Jahre Dame kennen, die gemeinsam mit ihrem Mann nicht nur ein kleinen Verkaufsstand betreibt sondern auch eigenen Kaffee anbaut – und verarbeitet. Und so kam ich zu
- einem frischen Kaffee
- 500gr von ihrem Kaffee
- einer Demonstration wie sie ihren Kaffee verarbeiten
- eine Führung durch ihren Gartenführerin
- Saatgut eines Obstbaumes
- einer Einladung zu einem Mittagessen de Campesinos – Reis, Bohnen, Ei, Banane und Kartoffel sowie ein kleines Stück Speck

Die professionelle Führung habe ich nicht wahrnehmen können – dafür habe ich eine tolles persönliches Erlebnis haben dürfen. Sie leben hier seit 25 Jahren, waren vor knapp 40 Jahren aus einem anderen Gebiet in Kolumbien geflüchtet, um Gefahren durch die Paramilitärs bzw. die Guerilla speziell für ihre Söhne zu verhindern. Sie können von den 4 Cuartos – lt Chatgpt insgesamt 1 hektar – Land leben und haben ihre Kinder auf die Uni geschickt.

Mein Verhältnis zu Kaffeepreisen hat sich jetzt gravierend geändert. Er ist VIEL zu billig, wenn ich sehe, allein wie mühsam die Ernte der Kaffeebohnen ist. Die scheinen in allen Stadien gleichzeitig am Busch zu sein. Also Blüte, grüne, gelbe und rote Bohne, die dann geerntet und aufwendig verarbeitet wird. Also muss man die Büsche immer wieder abernten. Und wenn ich mir die Hänge anschaue, auf denen die Menschen hier arbeiten – da würde ich selbst in Topform nur sehr ungern entlang laufen. Tiroler Bergbauern haben „ebenes“ Gelände im Vergleich. Die Fotos zeigen es hoffentlich. Mein Dorf zu Hause ist quasi Flachland

Ich bin dann langsam wieder zurück ins Dorf – habe mir noch einen Cafe Latte gegönnt und bin mit dem Bus um 15 Uhr retour. 16.45 zufrieden in der Unterkunft, noch eine kurze Knie-Entlastung im Pool und dann nur noch ausruhen.

Morgen gibt es den letzten Ausflug nach Filandia – dem „Dorf mit einer Seele“. Für die 40km gönne ich mir ausnahmsweise ein Taxi, denn Oscar, der Taxifahrer, der mich vom Terminal zur Unterkunft gebracht hat, kommt von dort, hat mir vorgeschwärmt und will dort eine kleine Rundfahrt mit mir machen. Es sind zwar 25 Euro – aber wenn man schon den „Reiseführer“ mit dabei hat, soll es das wert sein. Zurück fahre ich dann wieder Bus.

5.2 Filandia – das Dorf, das „mit mir sprach“


Heute habe ich zum ersten Mal das Gefühl gehabt, hier könnte ich es aushalten. Denn bei aller Freundlichkeit der Menschen in diesem Land, an den meisten Orten an denen ich war, war es mir – zugegebenermaßen - zu laut, zu hektisch, zu steil, zu heiß, zu dreckig, zu gefährlich, zu touristisch oder zu einsam. Ich bin halt doch keine 20 mehr :-) und natürlich europäisch verwöhnt.

Filandia ist ein Dorf / eine Kleinstadt mit rd. 13.000 Einwohnern, ein bißchen touristisch aber in den Seitenstrassen ist das schnell vorbei. Ländlich gelegen am Hügel – aber nicht zu steil. Fühlte sich vom Umland ein bißchen wie zuhause in Oberösterreich an – halt nur mit Palmen. Aber Kühe, Schweine, Hühner … am Dorf/Stadtrand.

Alle Infrastruktur vorhanden – Hospital, Schulen, Supermarkt – und ruhig, sauber und sicher. Die Menschen waren wieder extrem freundlich. Wie überall eigentlich wo ich bisher war. Angenehmes Klima – 16 Grad Celsius sind hier „kalt“ – das einzig negative: hier regnet es sehr häufig wenn auch meist nur kurze Schauer.

Ich hatte Glück, heute blieb es tagsüber sonnig und regenfrei. Zumindest von 9 bis 15 Uhr, dann bin ich wieder retour nach Armenia – meine Knie UND meine Allergien pflegen. Ich hoffe, die Creme hilft ein wenig und ich kann die Nacht schlafen. Morgen früh geht es zum Terminal und von dort mit dem Bus nach Bogota. 8-9 Stunden … das wird ein „Ritt“.

Ich schicke nur eine „kleine“ Auswahl an Fotos mit. Meine Kamera hatte heute kompletten Kontrollverlust – ich hoffe meine Speicherkarte reicht bis zum Rückflug.
 
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